Im Rooibos-Land kurz vorm Verdursten -
Cederberg Wilderness Area 

Clanwilliam - der Nabel der Rooibos-Tee Produktion (sprich: Rooibos nicht Rooibosch!). Nein, nicht nur der Nabel, sondern das einzige Gebiet weltweit, in dem der Rooibos gedeiht. 40 °C im Sommer und monatelange Trockenheit hält der Busch aus, dazu entwickelt er vier Meter tiefe Wurzeln. Im Gegensatz zu den grünen (Schwarz-)Teefelder, die die Landschaft wie eine zweite Haut überziehen, sieht ein Rooibos-Feld richtig räudig aus. Aber seit wir in Afrika sind, kochen wir uns jeden Tag zwei Liter davon und haben den erfrischenden Durstlöscher, der auch noch Antioxidantien enthält, lieb gewonnen. (Ganz ehrlich: davor kam er nicht an uns ran.)

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Rooibos: Für uns ein Zwischending zwischen Ginster und Heide.                     Tee-Probe im Rooibos-Haus.

Jetzt sitzen wir in Clanwilliam im Rooibos Haus und probieren: extra starken Rooibos, mittelstarken Rooibos und grünen Rooibos, der unfermentiert ist. Rooibos-Espresso, Rooibos-Cappuccino und roten Latte Macchiato überspringen wir - die gibt es hier in jedem Coffee Shop.

Den rechten Berg umrunden wir - man sieht im nicht an, wie weit er sich ins Tal nach hinten erstreckt.

Das Camp der Cederberg Wilderness Area ist leider gar nicht wild, sondern erinnert sehr an einen europäischen Campingplatz. Vielleicht aber nur deshalb, weil er jetzt in den südafrikanischen Sommerferien bis auf den vorletzten Platz ausgebucht ist. Nichts für uns. Wir kehren um, finden mit dem Groot Kloof Camp ein nettes Plätzchen 8 km talabwärts: tolle Aussicht auf die Berge, ruhig und kein Mensch da. Letzteres verstehen wir nicht ganz, soll uns aber recht sein. Nur ein Mercedes-Rundhauber tut es uns gleich. Wir haben uns tagsüber mit seinen Insassen angefreundet - einer Familie aus München, die mit fünf Kindern für ein Jahr lang in Afrika unterwegs ist. Respekt! 

Wir nisten uns über Weihnachten ein paar Tage ein und planen eine „kleine“ Wanderung um den Wolfsberg. Sieht nicht so schlimm aus - vielleicht 200 Höhenmeter und zweieinhalb bis drei Stunden. Denkste! 

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Von der Rückseite des Wolfsberges schauen wir Richtung Clanwilliam Dam und dem 60 km entfernten Atlantik.

Nach der Hälfte der Strecke merken wir, dass unsere Wasservorräte schon mehr als halb leer sind. Unter einem „Leopardfelsen“ legen wir im ersten Schatten nach eineinhalb Stunden eine Pause ein und machen die ersten kleinen Schlückchen. Noch durch ein kleines Kar, ein paar Felsen hochklettern und wir sind auf der Rückseite des Berges - herrliche Aussicht. Leider steht die Sonne senkrecht, auch hier gibt es nur Felsen, keine Sträucher, keinen Schatten. Außerdem geht es weiter bergauf. Wie wir später feststellen 500 Höhenmeter. Die kleinen Schlückchen werden noch kleiner. Nach drei Stunden sind wir zwar wieder „in Höhe“ unseres Camps, aber 400 Meter oberhalb mitten im Berg und ein Abstieg ist nicht zu erkennen. Wir gehen weiter, werden ruhiger. Eine Stunde später ist die Landschaft zwar immer noch grandios, die Zunge aber schon recht trocken. Jeder malt für sich ein „Rettungszenario“ aus, das er erst abends dem anderen verrät. Nach fünf Stunden erreichen wir das Jamaka Camp, hängen die roten Köpfe unter den Wasserhahn und trinken zum ersten Mal auf der gesamten Afrikareise Wasser, das nicht unseren Seagull-Filter durchlaufen hat. Was macht man nicht alles, um nicht zu verdursten? 

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Die einzig noch blühende Protea und grandiose Aussicht lenken uns auf der Durststrecke ab. 

Wir gönnen uns eine Stunde „Auftanken“,  bevor wir zum überschaubaren ca. 3 km langen Heimweg aufbrechen. Machen dabei unabsichtlich eine kleine River-Rundwanderung, die nicht zu unserem Camp führt, finden dann den richtigen Weg immer noch nicht (ist das der fortgeschrittenen Dehydrierung zuzuschreiben?), überqueren den Bach an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle, übersteigen Weidezäune, schlagen uns durch Dornengestrüpp, trinken immer wieder, denn jetzt haben wir ja genug, und kommen nach acht Stunden glücklich daheim an. 

Dass wir noch nie eine Wanderung ohne Karte gemacht haben, ohne zu wissen, wie lange sie dauert und ohne genügend Wasser, das können wir jetzt nicht mehr behaupten. Dass wir es gerade bei 35°C ohne eine Wolke am Himmel ausprobieren mussten, hätten wir uns „erfahrenen Wanderern“ selbst nicht zugetraut ;-)

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