Alternative Fahrzeuge

Unsere Kriterien bei der Fahrzeugwahl haben wir im vorhergehenden Kapitel beschrieben. Während des Entscheidungsprozesses haben wir auch folgende Konzepte verfolgt, jedoch aus den unten aufgeführten Gründen verworfen:


Ein Allradfahrzeug bis 3,5 t

Ein Toyota Landcruiser bzw. Hilux, Land Rover Defender oder Mercedes G mit Dachzelt/Hubdach/Innenausbau ist wohl mit Abstand die häufigste Wahl für ein Reisefahrzeug, wenn es auf große Tour gehen soll. Und das aus guten Gründen: Diese Fahrzeuge sind robust, geländegängig, kompakt und ein akzeptabler Kompromiss zwischen Kosten und Komfort. Es gibt viele Fans, für manche sind diese Fahrzeuge einfach Kult und wir können das gut verstehen. Bei nüchterner Betrachtung sehen wir gemessen an unseren Anforderungen jedoch folgende k.o.-Kriterien:

- Die maximale Zuladung beträgt ca. 1 Tonne. Das klingt viel, aber für den Innenausbau des Fahrzeuges, die Ausrüstung, Treibstoff und Wasser für die große Tour kommt einiges zusammen. Im Ergebnis ist man nahe am Gewichtslimit, in den meisten Fällen dauerhaft darüber. Auch wenn das die Polizei im östlichen Afrika kaum interessiert, stellt die dauerhafte Überlastung von Fahrgestell, Bremsen und Reifen ein ernsthaftes Problem dar. Kommen schlechte Straßen mit Schlaglöchern, Wellblech-Pisten und off-road-Fahrten hinzu sind die Ausfälle und Reparaturen vorprogrammiert. Außerdem sind diese Fahrzeuge so konstruiert, dass der Großteil der Zuladung auf der Hinterachse lastet, was das Gewichtsproblem weiter verschärft.

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- Die Kosten: Der Basis-Listenpreis liest sich, Ausnahme Mercedes G, erst einmal recht moderat. Für etwa 35 TEuro ist ein Neufahrzeug in vernünftiger Ausstattung zu haben. Addiert man jedoch die Kosten für den unverzichtbaren Ausbau hinzu, sind das schnell 50 … 60 TEuro. Kommen weitere Optionen hinzu, ist man bei 80 TEuro und die voll ausgestatteten Fahrzeuge der einschlägigen Anbieter kosten bis 110 TEuro. Das ist dann schon extrem viel Geld gemessen am Gegenwert. Man kann diese Kosten durch Eigenleistung reduzieren, das kam für uns aus Zeitgründen jedoch nicht in Frage. Am Ende fanden wir das Preis-/ Leistungsverhältnis für diese Fahrzeugklasse definitiv nicht attraktiv.

- Die erreichbare Langzeitreise-Tauglichkeit: Zugegeben, hier geht es um Komfort, aber eine eigene Nasszelle ist nicht nur Luxus, sondern erweitert die Einsatzmöglichkeiten ganz entscheidend. Auch die Wintertauglichkeit und die Nutzbarkeit unter rauen Bedingungen sind eingeschränkt. Kräftigen Wind gibt es nicht nur in Patagonien, sondern auch in Afrika und dann kann man ein Dachzelt nicht mal mehr aufklappen, geschweige denn darin schlafen.

- Diese Fahrzeuge sind für den robusten Einsatz gebaut, kommen aber bedingt durch technische Vorschriften heute nicht mehr ohne modernen Motor und Abgassysteme aus. Das ist zwar kein Nachteil gegenüber anderen Fahrzeugen, aber längst auch kein Vorteil mehr. Wir alle schlagen uns weltweit mit Ersatzteilbeschaffung und der Qualität der Treibstoffe und Schmiermittel herum. Ein Ausweg bietet lediglich der Kauf eines älteren Fahrzeuges und das am besten im Zielland - auch nicht trivial!

Das alles bedeutet nicht, dass man in einem Landy nicht die Welt umrunden kann. Ganz im Gegenteil, sehr viele machen das und haben eine tolle Zeit! Wir haben uns allerdings schon nach 3 Wochen Dachzelt-Urlaub sehnlichst eine eigene Dusche gewünscht und wollten uns für eine mehrmonatige Reise diesen Luxus nicht vorenthalten.


Ein Kastenwagen-Ausbau

Will man mehr Innenraum und/oder mehr Zuladung ist die nächste Option der Ausbau eines Kastenwagens, etwa auf Basis eines Mercedes Sprinter oder auch VW Minivan. Preislich bewegt man sich in der gleichen Klasse wie bei den oben beschriebenen Allrad-Fahrzeugen. Das Raumangebot ist etwas besser, dafür muss man deutliche Einschränkungen in Bezug auf Robustheit und erst recht bei der Geländetauglichkeit hinnehmen. Selbst Total-Umbauten, wie sie etwa von der Firma Iglhaut für den Mercedes Sprinter angeboten werden, ändern daran grundsätzlich nichts. Und dafür, dass das gesamte Fahrgestell ausgetauscht wird, ein Reduktionsgetriebe und Differentialsperren installiert werden, legt man 25 TEuro auf den Tisch. Gemessen an unseren Anforderungen an Geländetauglichkeit war auch das nicht der Durchbruch.


Ein Allrad-LKW mit 7,5 t oder schwerer

Sie sehen imposant aus, aber die LKWs mit 7,5 t zulässiger Gesamtmasse haben eine zu geringe Zuladung. Das mag erstaunen, liegt aber daran, dass es sich oft um einen 10-Tonnen-LKW handelt, der konstruktiv bedingt ein entsprechendes Leergewicht mitbringt. Damit droht bei Überladung zwar kein Schaden, aber in Europa bekommt man nun mal Ärger mit der Polizei und Versicherung. Greift man zu den Sternen und liebäugelt mit einem geländegängigen LKW mit 10 … 15 t Gesamtmasse handelt man sich an diesem Ende des Fahrzeug-Spektrums andere Nachteile ein: hohe Anschaffungs- und Betriebskosten (bei sicher gutem Preis-/Volumenverhältnis, wahrscheinlich dem besten im gesamten Markt) und vor allem die schiere physische Größe. 

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Wir haben sofort eine Reihe von Reisezielen im Kopf, die wir in einem solch großen Fahrzeug schlichtweg nicht erreicht hätten. Das wäre natürlich sehr schade gewesen! Dennoch, wer sein Zuhause aufgibt und für lange Zeit oder dauerhaft unterwegs ist, hat in einem solchen Wagen ein tolles zweites Heim. Und es gibt eine attraktive Variante in dieser Fahrzeugklasse: Der Kauf eines LKW mit robuster Technik aus den 80-er Jahren mit geringer Laufleistung, die gründliche technische Überholung und anschließend der Auf- und Ausbau einer Kabine in Eigenleistung. Dafür muss man aber realistisch mehrere Jahre intensiver Arbeit einplanen und auch während der Nutzungsphase bereit sein, Zeit und Geld für Reparaturen aufzubringen. Schließlich braucht man noch viel Glück, um ein solches Fahrzeug als günstigen                                 DHL-Trucks weltweit - in Südafrika, aber auch auf Kuba
Gebrauchten überhaupt zu finden und zu erstehen.


Ein Motorrad!

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Auch ein Zweirad ist eine valide Alternative zur Fortbewegung. Und mehr noch, es hat wesentliche Vorteile gegenüber allen Autos: klein, leicht, wendig und vor allem ist man unmittelbar dran am Geschehen! Auch ist es unschlagbar bei den Anschaffungs- und Betriebskosten. Allerdings muss man sich auch mit einigen Nachteilen arrangieren. Man ist den Elementen ausgesetzt, was gerade in den entlegenen Gegenden dieser Welt sehr anstrengend werden kann. Die begrenzte Tankkapazität und Zuladung setzen der Reichweite und dem Komfort unterwegs klare Grenzen. Dennoch, wer sich jung und fit genug fühlt, hat bei einer Motorradreise sicher unvergessliche Erlebnisse. Das hat Joshua Steinberg im Alter von 25 Jahren bei seiner Tour von Deutschland durch Westafrika bis nach Kapstadt klar bewiesen. Wir haben ihn in Lusaka getroffen und waren sehr beeindruckt!

Was für ein Motorrad gilt, gilt für ein Fahrrad in verschärftem Maße. Wir waren sehr erstaunt wie viele Fahrrad-Reisende wir selbst in Afrika getroffen haben. Aber hier sind wir dann schon fast im Bereich des Extremsports.

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis: Es gibt sehr unterschiedliche Fahrzeugkonzepte mit ganz spezifischen Vor- und Nachteilen. Eigentlich sollte jeder das passende Reisefahrzeug finden können, man muss sich nur darüber im klaren sein, welches Gesamtpaket man sich dabei einhandelt.

© P Wroblowski / H Zängerlein                                                                                                                                                 Disclaimer          Kontakt          Sitemap