Beruf, Karriere, Träume

In diesem Kapitel stellen wir für unsere Maßstäbe einige private Dinge sehr offen dar. Wir machen das aus genau einem Grund: Nachdem wir unser Arbeitsleben mit Anfang 50 vorfristig beendet hatten, um die Welt zu bereisen, haben uns mehr Leute gefragt „Wie habt ihr das gemacht?“ als „Wo geht es hin?“. Wir waren extrem überrascht wie viele Menschen um uns herum den Traum vom Reisen hegen, ihn aus unterschiedlichen Gründen jedoch offensichtlich nicht umsetzen. Wir wollen hier unsere Beweggründe und den von uns gewählten Weg beschreiben und damit anderen Mut machen. Denn Mut war auch für uns die wichtigste Voraussetzung, um eine neue Lebensphase zu beginnen.

Um es gleich vorab zu sagen: Wir haben unsere Arbeit über viele Jahre sehr gern gemacht und gut gemacht haben wir sie auch! Das hat sich bis zum Schluss auch nicht geändert. Unsere Karriere war intakt und am Ende haben wir sehr attraktive Positionen aufgegeben. Auch muss man hervorheben, dass wir für renommierte und erfolgreiche Unternehmen gearbeitet haben und dabei von Chefs gemanagt wurden, die man in weiten Bereichen durchaus als Vorbild akzeptieren konnte. Das ist viel mehr, als die meisten von sich behaupten können und insofern waren wir sicher in gewissem Maße privilegiert.

So weit, so gut - wäre da nicht auch das Phänomen gewesen, dass die  Arbeit in unserem Leben immer mehr Raum eingenommen hat. Es hat zunehmend mehr Energie gekostet, eine akzeptable Balance zwischen den beruflichen Pflichten und dem Privatleben zu finden und zu oft ist es uns dann auch nicht mehr gelungen. Wir haben großen Respekt vor denjenigen, die die Grenzen besser ziehen können - das haben wir nicht geschafft. Auch können wir akzeptieren, dass Andere in gleicher Situation in der Arbeit aufgehen - das haben wir nicht gewollt. 

Es gab sicher eine Reihe von äußeren Umständen, die den täglichen Stress erzeugt haben. Es wäre aber zu einfach, auf Dritte zu zeigen. Es war vielmehr unsere persönliche Auffassung von Verantwortung und Pflichterfüllung, die uns getrieben hat.

Wir haben beschlossen unseren Lebensstil zu ändern, bevor diese Schieflage dauerhaft Spuren hinterlässt. Wir wollen mittelfristig als Globetrotter die Welt erkunden und haben mit umfangreichen Vorbereitungen begonnen, die uns drei Jahre lang zunehmend beschäftigt haben. Während dieser Zeit hat die vage Idee Konturen bekommen und einige grundlegende Voraussetzungen für die große Reise wurden geschaffen. Unter anderem haben wir gegenüber unseren Arbeitgebern unsere Pläne und die Gründe dafür offen dargelegt. Das hat schon ein wenig Mut erfordert und ein gewisses Risiko war das auch. Man muss einen guten Tag erwischen und die richtigen Worte finden. Das war nicht einfach, aber wir würden das wieder so machen, weil auch rückblickend die positiven Aspekte überwogen haben.

Wenn dann der Beweggrund einmal klar ist und der Grundstein gelegt ist, findet sich auch bald ein Anlass. Etwas mehr als ein Jahr nach offizieller Ankündigung haben wir unser Berufsleben als angestellte Manager beendet. Es waren nun drei Jahre vergangen, seit die Idee ein erstes Mal in Worte gefasst wurde. Das mag lang erscheinen. Für uns ist die Zeit schnell vergangen, es gab immer viel zu tun und die Vorfreude hat bereits einen neuen Lebensabschnitt eingeleitet.

Gegenüber der Familie haben wir unsere Pläne sehr zeitig ausgesprochen und neben vielen besorgten Fragen grundsätzlich positiven Zuspruch erhalten. Auch einige Freunde haben wir eingeweiht und gerade deren bohrendes Nachfragen hat uns immer wieder motiviert, nicht aufzugeben, wenn das Ziel wieder einmal so weit weg erschien.

Wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die meisten Menschen bei den finanziellen Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben die größte Herausforderung sehen. Wir möchten dem widersprechen und haben unsere Sicht hier dargelegt.

Neben einer angemessenen finanziellen Basis müssen noch andere Voraussetzungen erfüllt sein, um den Traum vom Reisen zu realisieren: die Kinder müssen selbstständig sein, den Eltern muss es gut gehen, man muss sich in der Partnerschaft einig sein in seinem Lebensentwurf und das auch unter Belastung durchstehen. Je nach individueller Situation kommen viele andere Aspekte hinzu.

Wenn man am Ende tatsächlich die Wahl hat für unterschiedliche Lebensmodelle, ist man schon hochgradig privilegiert, so sehen wir das jedenfalls. Dann muss man sich nur noch entscheiden - und das ist wohl der schwerste Teil. Fatal ist, dass die Optionen schwinden, wenn zuviel Zeit beim Nachdenken und Abwägen vergeht! Und sie kommen nicht wieder ...


© P Wroblowski / H Zängerlein                                                                                                                                                 Disclaimer          Kontakt          Sitemap