Finanzielle Voraussetzungen


Alle anderen Kapitel unserer Webseite waren Fleißarbeit. Über dieses Kapitel haben wir jedoch lange diskutiert und waren uns uneinig: Sollen wir es überhaupt veröffentlichen? Ist die Wortwahl angemessen? Können wir aus unserer privilegierten finanziellen Position heraus überhaupt sinnvolle Tipps zum Thema Geld geben? Letztendlich aber ist das Interesse gerade an diesem Thema überwältigend und so wagen wir den Versuch …

Okay, das Reisen kostet Geld. Das Mindest-Budget liegt nach unserer Erfahrung bei etwa 15 … 20 Euro/Tag für zwei Personen. Hinzu kommt gegebenenfalls die An-/Abreise. Das bedeutet, dass man schon mit 10 Tausend Euro ein ganzes Jahr lang unterwegs sein kann! Vorausgesetzt man reist zu zweit auf dem Motorrad, schläft im Zelt unter freien Himmel, meidet teure Nationalparks und ernährt sich von einheimischen Lebensmitteln. Das wiederum ist vielleicht nicht jedermanns Sache, womit wir beim ersten Lösungsansatz für das Problem „Finanzen“ sind: Man muss

Die eigenen Ansprüche mit den Möglichkeiten in Übereinstimmung bringen!  

Wer von einem aufwändigen Reisestil träumt, aber weder bereit, noch in der Lage ist, das Geld dafür vorab zu sparen, wird nicht glücklich werden. Andererseits haben wir eine Reihe von Menschen getroffen, denen war die Reise als solches so wichtig, dass sie diesem Wunsch alles andere untergeordnet und auf Komfort verzichtet haben.

Was aber, wenn ein Jahr im Zelt nun wirklich kein Spaß macht? Oder wenn man auch Nationalparks, Museen und andere Einrichtungen besuchen will, die nun mal Geld kosten? Oder wenn ein kleines bisschen Luxus ab und zu dazu gehört, um die gute Laune hoch zu halten? In diesem Fall braucht man etwa 70 Euro/Tag für zwei Personen, wovon jeweils ca. ein Drittel auf Treibstoff, Übernachtung/Essen und Unternehmungen entfällt. Dann hilft

Fokus und Verzicht

(Fast) jeder Mensch kann sich (fast) alles leisten, nur nicht alles gleichzeitig! Wenn eine Langzeitreise der große Traum ist, kann man den sicher zu gegebenem Zeitpunkt auch erfüllen. Man muss sich jedoch darauf konzentrieren und braucht ein wenig Ausdauer. Und egal wie die Einkommensverhältnisse sind: Wir kennen niemand, der außergewöhnliche Lebensziele erreicht hat ohne gewisse Einschränkungen im Lebensstil.

In der Gesamtrechnung müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden: Die Anschaffung der Ausrüstung inklusive Fahrzeug kostet Geld, die Reparatur oder gar der Ersatz nach einigen Jahren auch und man braucht Rücklagen für das Alter! Die Inflation treibt die Kosten in allen Ländern nach oben und der Wechselkurs zum Euro schwankt erheblich. Andererseits kann man die Kosten im Heimatland drastisch senken: Wohnung und Versicherungen kündigen, Auto/Hausrat verkaufen, Telefon/Internet abmelden, etc. Je nach individueller Situation kann man so unterwegs mit weniger Geld leben als zu Hause!

Die Kosten im Reiseland lassen sich auf vielfältige Weise in Grenzen halten: Wer kurze Tagesetappen plant, sieht mehr und verbraucht weniger Treibstoff. Man kann auch mal eine Woche an einer besonders schönen und „ergiebigen“ Stelle verweilen. Es ist beeindruckend, was man selbst nach einigen Tagen noch Neues entdeckt! Und den Speiseplan auf das lokale Angebot umzustellen ist nicht nur viel interessanter als europäische Importware, sondern spart auch noch bare Münze.

Ein falsche Hoffnung ist jedoch es, auf extrem günstige Lebenshaltungskosten in weniger entwickelten Ländern zu setzen. Wir haben zum Beispiel bei vergleichbarem Reisestil in Skandinavien, eine der teuersten Regionen weltweit, genau so viel Geld ausgegeben wie im südlichen Afrika, und dort war Simbabwe als das ärmste Land gleichzeitig das teuerste. Diese Rechnung gilt jeweils ab/bis Haustür in Deutschland, also inklusive Verschiffung und Flug.

Unmittelbar Einfluss auf die Finanzierung hat der Reisestil.

1. Der Ausstieg auf Zeit: Das Arbeitsleben wird für Monate oder Jahre unterbrochen und meistens wird mit einer Traumreise ein klar umrissenes Ziel angesteuert - Afrika, die Panamericana, die Hochgebirge Asiens. Gelebt wird vom Ersparten, die Möglichkeiten unterwegs hinzu zu verdienen sind sehr begrenzt. Nach der Reise erfolgt der Wiedereinstieg in den alten Beruf oder auch eine vollständige berufliche Neuorientierung. Vorteil: Eigentlich zu jeder Lebensphase durchführbar, auch mehrfach. Außerdem: begrenztes Risiko. Großer Nachteil: Der berufliche Neuanfang kann je nach Branche praktisch sehr schwierig werden, in jedem Fall ist er emotional anspruchsvoll, manchmal sogar bitter.

2. Der dauerhafte Ausstieg relativ zeitig im Berufsleben: Hier steht der Wunsch auf ein selbstbestimmtes Leben abseits aller Konventionen im Vordergrund. Alles andere, insbesondere der materielle Lebensstil, ordnen sich dem unter. Das muss man dann auch dauerhaft so wollen. Vorteil: Wer sich zu einem solchen Leben durchgerungen hat, genießt ein hohes Maß an persönlicher Freiheit! Nachteil: Für einen solchen Lebensstil ist sicher nicht jeder geeignet und ein wenig droht die Gefahr einer Einbahnstraße im eigenen Leben. Abschwächen kann man diese Nachteile, in dem man den Zeitpunkt des Berufsausstieges ganz nach eigenem Gusto nach hinten verschiebt. So haben wir das gemacht.

3. Berufs-Reisende: Ein besonderes Phänomen sind die Menschen, die wir „professionelle Abenteurer“ nennen. Meistens haben sie als sehr junge und wilde Reisende angefangen, manche haben nie einen Beruf im traditionellen Sinn ausgeübt. Den zunehmenden finanziellen Zwängen sind sie ausgewichen, indem sie Geld mit dem Reisen verdient haben: Vorträge, Bücher, Fotos, Filme, Kalender. Vorteil: Man kann so tatsächlich die eigenen Reisen (teil-)finanzieren. Nachteil: Das gelingt nur ganz Wenigen und es besteht die Gefahr, dass sich die kommerziellen Aspekte in den Vordergrund schieben.

Die schlechte Nachricht ist also: Auch wir kennen keine Zauberformel. Reisen kostet Geld und wer das nicht irgendwann einmal verdient und gespart hat, kann sich das nicht leisten. Das gilt für den Budget-Traveler genauso wie für Denjenigen, der nichts auslassen möchte.

Wir haben unterwegs immer wieder andere Langzeitreisende getroffen. Niemand davon war durch Fleiß, Glück oder Erbschaft zum Millionär geworden. Alle haben ihren ganz individuellen Lösungsansatz für die Finanzierung gefunden - Fokus, Verzicht und ein angemessener Reisestil waren jedoch der gemeinsame Nenner.

Es geht also. Auch uns hat einmal ein Finanzberater vorgerechnet, dass unsere Ersparnissen nicht ausreichen, um das Arbeitsleben vorfristig zu beenden. Was für ein Unsinn!

Naturgemäß gibt es gerade in der Fundamentalfrage der Finanzen die unterschiedlichsten Auffassungen. Unsere haben wir hier dargelegt und wir wollen damit nicht provozieren, sondern diejenigen zum Nachdenken anregen, die ausgerechnet vor den Finanzen kapitulieren. Dabei neigen wir Deutsche sicher auch zur Über-Vorsicht. Eine Portion Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hilft, die Hürde „Finanzierung“ zu nehmen, oder um es mit Udo Lindenberg zu sagen:


Ich mach mein Ding, egal was die anderen labern! 

Was die Schwachmaten einem so raten, das ist egal.

I
ch mach mein Ding!

© P Wroblowski / H Zängerlein                                                                                                                                                 Disclaimer          Kontakt          Sitemap