Camino Costero nördlich von Puerto San Julián
Von den versteinerten Wäldern bis zur Magellanstraße sind es noch 700 stürmische Kilometer. Schon seit einigen Tagen ab Cabo Dos Bahías verfolgen uns Orkanböen und so geht das weiter die ganze Strecke bis zur Magellanstraße. Permanent pfeift uns der Wind entgegen. Der blaue Himmel mit weißen Wolken passt so gar nicht zum Sturm, dann aber türmen sich schwarze Wolkenwände auf und bringen Regen oder Graupel - kurz und heftig. Erst müssen wir in den fünften, dann in den vierten Gang runterschalten. Wir messen den höchsten Treibstoffverbrauch unserer Reise überhaupt, obwohl wir uns während der schlimmsten Orkanböen am Straßenrand verkriechen. Das Aussteigen wird zum Akt, die Türen von Fahrzeug und Wohnkabine lassen sich gegen den Wind kaum noch öffnen.
Mal ehrlich - nach 6 Tagen und Nächten in unserem schaukelnden Auto geht uns der Wind ganz schön auf den Keks!


Kurioses am Straßenrand - wenigstens mal was zu lachen, bevor die nächste Front über uns wegzieht.


Oder wir bewundern die Heiligenschreine der LKW-Fahrer, bevor die eintönige Pampa uns einschlafen lässt.
Da wir nicht gerne Kilometer „runterschruppen“, landschaftlich aber außer Pampa vorerst nichts mehr zu erwarten ist, verlegen wir uns auf ein bisschen Geschichte. Wir beschäftigen uns mit Magellan, der nicht nur die „Entdeckung“ der nach ihm benannten Magellanstraße für sich beansprucht (hätte er die Ureinwohner gefragt, hätten sie ihm sicher gesagt, wo’s lang geht), sondern sich auch für jede Bucht und jede Insel einen neuen Namen ausgedacht hat (sicher konnte er die einheimischen Namen nicht aussprechen). Jedenfalls sagen wir heute noch Feuerland, weil Magellan nachts auf der Insel südlich der Magellanstraße so viele Feuer gesehen hat, und Patagonien, weil die Ureinwohner im Süden des Kontinents recht groß gewachsene Menschen waren. Sie waren mit 1,70 bis 1,80 m wesentlich größer als die kleinwüchsigen Spanier und wurden von ihnen Patagón - Großfüßler - genannt. Die Namen sind bis heute geblieben, die Ureinwohner und damit die Feuer sind verschwunden…
Die Victoria, heute als 1:1-Nachbau zu besichtigen, traf zusammen mit vier anderen Schiffen der Magellan-Flotte im März 1520 in der Bucht von Puerto San Julián ein.
Magellan auf dem Land folgend fahren wir also nach Puerto San Julián, das am 30. März 1520 zu seinem Namen kam, als Magellan die geschützte Bucht für eine Überwinterung aussuchte. Damit keine Langeweile aufkam, inszenierte die Mannschaft das damals übliche Meuterei-Hinrichtungs-Schiffsbruch-Spektakel, um danach im Oktober 1520 mit ein paar Leuten und einem Schiff weniger wieder in See zu stechen. Kurz darauf entdeckten sie die gesuchte Passage vom Atlantik zum Pazifik, nannten sie nach dem Entdeckungstag Kanal von Allerheiligen (heute Magellanstraße) und das südlich davon gelegene Land Land des Feuers. Diese noch heute etwas sagenumwobene Insel ist unser nächstes großes Ziel.
Nautische Messgeräte aus der Kapitänskajüte.
Dazu müssen wir die Magellanstraße zwar nicht durchsegeln, aber überqueren. Die letzte Nacht auf dem Festland verbringen wir kurz vor der chilenischen Grenze an der Laguna Azul, einem kleinen Kratersee, der allerdings mehr grün als blau schimmert.
An der Laguna Azul könnte man fast auch ohne Gleitschirm abheben.
Leider schaffen wir es kaum, uns senkrecht zu halten, und brechen den Spaziergang um den See ab. Bleibt zu hoffen, dass wir morgen wenigstens die Grenze zu Chile gut überqueren können und dass die Fähre nach Feuerland wie des öfteren nicht wegen Sturm im Hafen liegen bleibt.
Ausnahmsweise nicht ganz einsam - iMobil an der Laguna Azul mit Leipziger Gefährt.