Das Damaraland schließt sich im Süden an das Kaokoveld an. Offiziell werden beide heute zur Kunene Region zusammengefasst.
Nach mehr als einer Woche durch das menschenleere Kaokoveld sind wir etwas knapp an Vorräten. Unsere Hoffnung auf Einkäufe in Seisfontein zerschlagen sich, leider gibt es dort nur Dosenkost. Wir kaufen wenigsten die letzten sechs Milchtüten im Ort auf und Eier gibt es auch. In Warmquelle ergattern wir noch ein leckeres Maisbrot vom einheimischen Bäcker.
Ugab Terrassen
Da Heike sowieso gern zu den Ugab Terrassen will, machen wir aus der Not eine Tugend und fahren über Khorixas, wo es einen Supermarkt geben soll, dort hin. Unterwegs besuchen wir den Petrified Forest (Versteinerten Wald) und lernen auch noch die schöne Bambatsi Gästefarm kennen. Die Besitzer sind seit 1864 und fünf Generationen in Namibia (und sprechen noch deutsch!).
Bei den Ugab Terrassen wandern wir in der Mittagshitze einmal um die Vingerklip und müssen uns danach in der gleichnamigen Lodge erholen. Beim eisgekühlten Drink genießen wir die 360°-Rundumsicht aus dem schattigen Pavillon. Nicht schlecht!

Ugab Terrassen
Brandberg - White Lady
Wir wissen noch nicht wie der Straßenzustand unserer weiteren Strecke ist, aber wir schaffen es dann noch ganz gut bis zum Brandberg Massiv mit dem Königstein, der mit 2579 m der höchste Berg Namibias ist. Bei unserer Ankunft herrscht Aufregung im Camp der White Lady Lodge. Die Ursache ist auch schnell ausgemacht: Elefanten im Camp - und gleich eine ganze Familie! Wir erleben die entspanntesten Elefanten auf unserer bisherigen Reise und freuen uns über die Begegnung mit Wildtieren außerhalb von Nationalparks und Schutzgebieten. Nun müssen wir aber erst einmal am Pool entspannen.
Am nächsten Tag wandern wir mit einem Führer zu den Felszeichnungen der White Lady. Die Lady entpuppt sich als handfester Mann. Die Erstentdecker müssen wohl auf mindestens einem Auge blind gewesen sein. Mit unserem Führer hatten wir wieder einmal mächtiges Glück. Die mehr als zwei Stunden mit ihm waren nicht nur informativ in Bezug auf Natur und Felszeichnungen, sondern wir haben wieder viel über das Leben im Land erfahren. Als Gründungsmitglied des lokalen Bergführerklubs ist er auch besonders engagiert. Stolz erzählt er uns von seiner letzten bestandenen Prüfung (Train-the-Trainer-Kurs) und wie er nun auf das Buch für den nächsten Schlangen-Experten-Kurs spart.
Die Tour führt uns weiter durch das trockene Flussbett des Ugab und wir treffen dort tatsächlich zwei Tage später und 20 km entfernt vom Camp unsere Elefantenfamilie wieder. Wir umrunden das Brandberg Massiv im Westen und finden in einem Seitental ein schönes, wenn auch ziemlich stürmisches Plätzchen für die Nacht. Die ersten Vorboten des Sommers sind auch schon da: Ein blühender Strauch in der Steppe direkt neben unserem Auto ist voller Schmetterlinge!

Auf dem Weg zum Rhino Camp
Ugab Fluss - Rhino Camp
Die nächste kurze, aber raue Fahretappe bringt uns zum Basiscamp des Rhino Trust zurück ins Ugab Tal. Von dort aus schützen einige Naturliebhaber die letzten verbliebenen Nashörner in der Region sehr erfolgreich. Wir sehen zwar kein Rhino, aber immerhin Rhino-Spuren, und das Camp selbst ist etwas ganz Besonderes. Umrahmt von bizarren Bergen, hat jeder Platz seinen eigenen Schatten-Baum und sein eigenes Kunstwerk. Aus altem Eisen sind Rhino, Elefant und Oryx gebastelt und machen aus dem Platz eine kleine Kunstgalerie.

Entschädigt uns für ein echtes Rhino
Messum Krater - oder: Auf dem Mond
Nach zwei Tagen fahren wir weiter und wie es der Zufall will, bekommen wir im Moment des Aufbrechens den entscheidenden Tipp von einem Tourguide, der uns vor vielen Wochen bereits in Simbabwe gesehen hat und uns daher anspricht. Er kennt eine Stelle mit besonders vielen und besonders großen Welwitschiae Mirabilis, einer „wundersamen“ Pflanze, die nur in einem schmalen küstennahen Streifen Namibias und Angolas vorkommt. Also ändern wir in letzter Minute unsere Route und fahren in den Messum Krater. Tatsächlich sehen wir auf dem Weg ganze Felder mit diesen archaischen Blumen, die männlich oder weiblich sind, nur zwei Blätter haben und mehrere hundert Jahre alt werden. Und wir finden auch gleich einen optimalen Übernachtungsplatz direkt im Krater, der wie eine karge Mondlandschaft wirkt, windgeschützt und mit Aussicht! Das wird unsere letzte Nacht, bevor wir den Atlantik erreichen. Nachdem wir am Indischen Ozean 137 Tage vorher aufgebrochen sind, ist das schon ein besonderes Etappenziel und ein Anlass für ein Rundmail an die Familie und Freunde.

Nicht gut erkennbar, aber wir glauben es: Wir sind im Messum Krater
Swakopmund - doch nicht ganz St. Tropez
Am kommenden Tag erreichen wir bei Cape Cross tatsächlich die Skelettküste am Atlantik. Das Wetter ist kalt und trüb, hier fließt der Benguela Strom entlang und hüllt alles in Nebel. Wir haben 14 Grad, nach Wochen mit deutlich über 30 Grad ist das für uns arktisch! Cape Cross empfinden wir eher lausig, daher fahren wir gleich weiter nach Swakopmund, dem St. Tropez von Namibia. Die erste Teerstraße seit vier Wochen - eine Wohltat! Swakopmund wirkt auf uns jedoch nicht so toll, alles ist sehr touristisch und sehr deutsch. Wenigstens nutzen wir die Gelegenheit und gehen mal wieder gepflegt essen. Das erste Haus am Platz ist das Hansa Hotel, etwas angestaubt, aber die Küche wird ihrem sehr guten Ruf gerecht. Einem Tipp von Reisefreunden folgend bestellt Peter bereits am Nachmittag einen Irish Coffee in der Bar und bringt sich so in Stimmung.
Walvisbay - Tasche weg!
Am nächsten Morgen ist der Nebel weg, die Temperatur ist aber immer noch bei 14°C. Wir nutzen den Sonnenschein und spazieren auf die Seebrücke. Da wir nun schon mal hier sind, beschließen wir auch noch die kurze Strecke nach Walvisbay zu fahren. Wir erwarten nicht viel, sind aber positiv überrascht. Die Strandpromenade gefällt uns fast besser als die in Swakopmund und für den Abend finden wir ein uriges Fischrestaurant, den Ancor, im Hafen. Das Essen ist solider als im Hansa Hotel, aber mindestens so lecker!
Für den nächsten Morgen planen wir einige praktische Erledigungen: Supermarkt, Tanken, Fisch kaufen. Und dann passiert es: Als wir die Einkäufe im Auto verstauen, klaut jemand Heikes Handtasche aus der Kabine, während sie drin ist - extrem dreist! Aber erfolgreich. Statt Fisch kaufen gehen wir zur Polizei, was vermutlich reine Zeitverschwendung war. Insgesamt gehen zwei Stunden damit drauf, den Schaden zu begrenzen: Kreditkarten, Sim-Karte vom Telefon sperren, etc.
Spitzkoppe - ab jetzt unser Geheimtipp
Nach diesem Schreck wollen wir nur noch weg. 200 km weiter finden wir ein Camp bei der Spitzkoppe, dem Matterhorn Namibias. Es landet bei uns sofort unter den Top 3 aller bisherigen Camps und entschädigt uns ein wenig für den Ärger an diesem Tag. Wir bleiben drei Tage in diesem Paradies und merken uns die schönsten Stellen für einen gemeinsamen Besuch mit unserer Tochter und Heikes Schwester. Die holen wir nun nämlich in Windhoek vom Flughafen ab. Damit beginnt eine ganz besondere Reiseetappe: Zwei Wochen gemeinsamer Urlaub, Hurra!

Das Matterhorn von Namibia, die Spitzkoppe