Schaurige Moore, vulkanische Thermen und der Äquator

Einer der vielen Lagunen in der Páramo-Landschaft im Reserva Ecológica Cayambe-Coca.

Auf der Weiterfahrt Richtung Quito sehen wir die verheerenden Auswirkungen des sintflutartigen Regens von vor drei Tagen. Alle fünf Kilometer ist die Straße durch einen Erdrutsch verschlammt, zum Teil verschüttet, weggespült oder untergraben. Beeindruckend - überall ist man schon dabei, die Schäden zu beheben. 

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Nach dem heftigen Regen in der Nacht steigt der Rio Napo zusehends. Die Steine am Ufer verschwinden einer nach dem anderen in der braunen Brühe. Bei der rechten Brücke hat es einen Pfeiler unterspült. Sie hängt schon ziemlich schief.

Das Schlimmste für uns ist eine Brücke mit weggesacktem Pfeiler. Da wird einem schon ziemlich mulmig - aber vor uns erreicht ein 25-t-LKW ohne abzustürzen das andere Ufer. Also Augen zu und rüber!

Wir erreichen heil das Reserva Ecológica Cayambe-Coca, leider schon wieder auf 3700 m. Wie seit Wochen gewohnt 11° C  und Nebel bei der Ankunft und nachts frische 6° C.  Haben wir das verdient - 35 km vom Äquator entfernt? 

Und schon lauern auf unserer Wanderung zur Laguna Paracocha weitere Gefahren auf uns. Ohne auf den Warnschrei von Peter reagieren zu können, versinke ich eine Millisekunde später bis zu den Oberschenkeln im Moor. Kennt man nur aus Schauermärchen von Annette von Droste-Hülshoff, aber ich kann nur zustimmen „Oh schaurig ist's übers Moor zu gehn“. 

Google Maps: (-0.064769, -77.838047), Höhe ü NN: 3700 m, Temperatur (tags/nachts): 11° / 6° C


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So nass sieht die Ebene von Weitem gar nicht aus, aber ich versinke im Morast. Es kostet mich einige Mühe, da wieder raus zu kommen und dabei die Schuhe nicht für immer zu verlieren. In dem Moment finde ich das gar nicht witzig.


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Die Termales Jamanco, vulkanische Thermalquellen in Papallacta, wollen wir nach der 5-Stunden-Wanderung auf 4000 m unserem Kreislauf nicht mehr zumuten. Wir steigen erst am nächsten Morgen ins dampfende Wasser und danach sind dann auch die letzten Reste schwarzen Moors untern meinen Fingernägeln verschwunden.

Und dann kommt der große Augenblick, auf den wir sieben Wochen lang hingearbeitet haben: wir überqueren den Äquator in Ecuador! 

Jetzt sind es nur noch knapp 200 km bis zur Grenze nach Kolumbien, die wir einen Tag später passieren.


Direkt auf der 0° 0' 0“-Linie ist eine riesige Sonnenuhr aufgebaut.

  


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